Die Sache mit der Auszeit in der KiTa unter die Lupe genommen: braucht man das oder gibt es Alternativen ( Spoiler: ja die gibt es!)

Gestern habe ich mit einer lieben Freundin und Mutti meiner liebsten Nichten gechattet. Eigentlich ging es um meine Gesundheit, aber ich wollte lieber wissen wie es meiner ,,Großen“ geht. Leider nicht so gut wie es sein sollte.

Im Gespräch wurde auch das Thema ,, Auszeit“ bzw. Kind aus dem Spiel herausnehmen und sitzen lassen erwähnt. Dieser Vorgang ist in vielen KiTas üblich. Aber warum wird dies überhaupt gemacht, und noch besser: muss man ein Kind aus dem Spiel herausnehmen? Ein kleiner Blick hinter die Kulissen!

Wer den Blog schon ein bisschen kennt weiß, das ich schon in einigen Einrichtungen gearbeitet habe. Von High Class mit traumhaften Betreuungsschlüssel (8 Kinder auf 4 Erwachsene) bis hin zur Brennpunkt KiTa mit Kinder die wirklich Probleme hatten. Alle hatten eins gemeinsam: eine Auszeit. Ja, Auszeit. Aber nicht so wie es uns die Super Nanny im TV zeigt, nein nein. Eine Auszeit mit intensiver Betreuung durch einen Erwachsenen.

Aus meiner Arbeitswelt:

Diese Auszeit kann je nach Situation anders aussehen. Ich will nichts schön reden: auch ich habe Auszeiten verteilt, und die meisten waren tatsächlich zum Schutz und Selbstschutz der Kids. Es gab Kinder die sogar im Alter von 5 gepukt werden mussten, damit sie sich nicht selbst verletzten oder mir die Zähne ausschlagen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie sich selbst nicht mehr gespürt und konnten ihre Umwelt nicht mehr richtig einschätzen und wahrnehmen. Ich habe es ,, Brezel“ genannt, da diese Kinder auf dem Boden gesetzt werden mussten und so gehalten werden mussten damit sie sich nicht schlagen, andere schlagen oder mich schlagen.  Dies war der letzte Ausweg um sie zu beruhigen. Es ist generell der letzte Ausweg, denn man hat vorher genug Möglichkeiten solche Ausbrüche abzuwenden.

 

Warum werden diese Auszeiten in KiTas angewendet? Die Grundidee ist es dem Kind, dem Alter angemessen, Zeit zu geben über sein Handeln nachzudenken.  Typisches Beispiel: im Sandkasten wird gespielt und ein Kind hat dem anderen die Schaufel über den Kopf. Einfach so. Das kann passieren. Was tun? Auszeit? Schaufel wegnehmen?Oder Kinder spielen sehr wild, nutzen Naturmaterial als ,, Waffen“ um ein Rollenspiel zu komplettieren. Da gehen bei vielen Fachkräften (und Eltern) sofort die Alarmglocken an. Was tun?

Nun, egal in welchem Fall, nicht sofort in die Auszeit schicken! Reden ist hier Trumpf, egal wie alt die Kinder sind. Nehmt das Kind oder die Kinder zur Seite und erklärt. Schaufeln sind fürs Sand schaufeln und nicht zum hauen. Wenn man mit Stöcken spielt muss man sehr aufpassen, denn man kann sich und seinen Spielpartner verletzten.Fragt die Kinder nach ob sie dies verstanden haben. Wenn sie es können sollen sie es noch einmal in eigenen Worten erklären. Kommuniziert auch, das wenn sie ihr Verhalten weiterhin so ausleben eine Konsequenz folgen kann. Kann, nicht muss! Und dann lasst sie wieder spielen.

Meist reicht dies schon. Aber natürlich gibt es auch Kinder die mehr Zeit brauchen um das Gesagte zu verinnerlichen. Nehmen wir noch einmal das Beispiel mit dem Rollenspiel. Die Kinder spielen nach kurzer Zeit wieder sehr wild und es gibt ein kleines Aua. Jetzt nicht gleich aufbrausen und losschimpfen. Die Kinder wieder heran holen. Lasst sie erklären was passiert ist. Fragt warum der Unfall passiert ist.  Bleibt sachlich und ruhig. Die Kinder sollen sich nicht gestraft fühlen weil sie gespielt haben. Erklärt noch einmal : ,, Vorhin haben wir darüber gesprochen das es gefährlich ist so wild mit Stöcken zu spielen. Man kann sich verletzen. Ihr habt jetzt zwei Möglichkeiten: Ihr spielt jetzt ohne die Stöcke weiter, denn ihr könnt Euer Spiel bestimmt auch ohne Stöcke weiterspielen. Oder ihr sucht Euch eine andere Beschäftigung. Was möchtet Ihr gerne tun?“

Ihr seht, keine Strafe, ein konstruktiver Vorschlag und vor allem: zurück ins Spiel! Leider funktioniert dies auch nicht immer. Sei es weil einfach zu viele Kinder und zu wenig Personal anwesend ist ( meiner Meinung und Erfahrung nach geht es schon, man kann ein Kind inmitten einer Gruppe achtsam und ruhig in einer Auszeit begleiten) oder einem einfach, was total menschlich ist, die Hutschnur platzt. Oder es ist einfach der Kredo der Einrichtung. Alle machen es. Wenn Ihr die Auszeit nutzen möchtet, dann solltet Ihr folgendes beachten:

  • Überlegt erst einmal ob das Kind wirklich eine Auszeit braucht: oft kann man Situationen schon mit ein paar Worten regeln
  • Denkt immer an das Alter der Kinder!
  • Bietet Alternativen um das Kind oder die Kinder aus der ,,unangenehmen“ Situation wieder eine schöne Spielsituation zu machen
  • Helfen Worte nicht könnt Ihr das Kind in die Auszeit bringen, niemals alleine wegschicken
  • Setzt Euch mit dem Kind hin und erklärt warum es eine Auszeit hat. ,, Ich möchte gerne das Du darüber nachdenkst was Du gerade gemacht hast. Ich komme gleich wieder und dann reden wir noch einmal darüber.“ ( Dem Alter angepasst, es versteht sich von selbst das man mit 2 Jährigen anders redet als mit 5 Jährigen!)
  • Wichtig ist niemals länger als 2 Minuten weg bleiben. Das Kind soll nachdenken und sich nicht bestraft fühlen. Das wird zwar nicht ausbleiben, aber es ist ein Unterschied ob man 1-2 Minuten wartet oder 10!
  • Kommt ruhig zurück, signalisiert dem Kind das ihr ihm zuhört. Fragt das Kind warum es eine Auszeit bekommen hat. Oftmals haben Kinder ihre Situation reflektiert und können uns Erwachsenen erklären was passiert ist.
  • Falls es keine Antwort findet helft ihm! Geht die Situation durch welche zur Auszeit geführt hat. Bsp: ,, Wir hatten darüber gesprochen das es gefährlich ist mit Stöcken zu spielen. Du und XY habt trotzdem wild gespielt und  XY mit den Stock getroffen. XY wollte nicht mehr weiter spielen aber Du hast weiter gemacht obwohl er es nicht wollte. Was denkst Du? Soll man weiter spielen wenn der andere nicht mehr möchte oder nicht?“
  • Einigt Euch wie Ihr weiter verfahren wollt. Hier bietet sich wieder die Entweder/Oder Methode an
  • Holt das Kind aus der Auszeit heraus (durch eine freundliche Umarmung, liebe Worte oder ein anderes Ritual!) und lasst es wieder spielen.

Ihr seht, oft braucht man keine Auszeit sondern nur eine gute Kommunikation. Das dies schwierig im Alltag umzusetzen ist: Ja! Ich weiß. Alles schon durch. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wenn wir Achtsamer mit uns sind, hinterfragten warum wir so negativ reagieren und uns bewusst machen das es andere Wege gibt dann sind wir in der Lage das Ruder herum zu reißen.

Redet! Wertschätzend und liebevoll. Redet so wie Ihr auch gerne angesprochen werden wollt.

Tante Vanja sagt: Schickt die Super Nanny in die Auszeit, wir brauchen keine!

 

 

 

 

 

Keine Kinder erwünscht: über das ,,erwachsenenfreundliche Restaurant“ auf Rügen.

Da stöbert man mal kurz durch die morgendlichen Nachrichten und schon lese ich so etwas: ,, Wegen schlecht erzogener Kinder hat ein Restaurantbesitzer auf Rügen beschlossen, dass Kinder unter 15 Jahren ab 17:00 sein Restaurant nicht mehr betreten dürfen.“ Hunde seien aber trotzdem erlaubt, immer willkommen und haben eine eigene Speisekarte.

Also ich muss gestehen, erst einmal musste ich lachen. Besonders als ich das mit den Hunden las. Dann wurde ich nachdenklich. Schlecht erzogene Kinder dürfen ab 17:00 Uhr nicht mehr in das Restaurant. Ja, aber was sind denn für den Wirt schlecht erzogene Kinder? Und warum unter 15 Jahren? Die Begründung, warum gerade Kinder ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr dort Speisen dürfen ist simpel, auf der einen Seite nachvollziehbar, auf der anderen Seite aber doch so….nicht nett.

Aber was ist passiert, das so ein in meinen Augen drastischer Schritt, das dieser Mann sich für diese Lösung entschieden hat? Sind die Gründe wirklich so banal oder doch gerechtfertigt?

,,Die Freiheit der Kinder hört da auf , wo die Freiheit der Gäste beschnitten wird!“

Anfangs hatte der Wirt noch versucht mit Gegenmaßnahmen Ruhe und Frieden in sein Restaurant zu bekommen. Es gab bemalbare Speisekarten für die Kids und auch einige Hinweisschilder für Eltern, die auf ihre Kinder achten sollten. Nachdem dies aber nicht fruchtete, und durch herumstrolchende Kinder das Personal behindert wurde und es auch zu Problemen deswegen kam, zog er  die Notbremse. Er sah wohl einfach sein Restaurant in Gefahr.Er rechtfertigt seine Entscheidung also mit zwei Gründen: die von ihm versuchten Gegenmaßnahmen haben nicht funktioniert und dass Eltern ihre Kinder nicht erzogen haben oder nicht richtig im Griff haben.

HM…..schwierig. Meiner Meinung nach hätte er definitiv mehr versuchen können um es Familien zu ermöglichen sein Restaurant zu besuchen. Mit ein paar Speisekarten zum malen ist es nicht getan. Man hätte zum Beispiel einen Teil des Restaurants als ,, Familienzone“ einrichten können, in der eben Familien speisen und es dort dementsprechend anders gestaltet ist. Eine kleine Spiel- und Beschäftigungsecke hilft manchmal auch schon etwas Ruhe rein zu bringen. Offene Kommunikation mit den Familien wenn es problematisch werden sollte. Das dies zwar nicht immer auf Gegenliebe trifft ist klar, aber er und sein Personal hätten es versuchen können.

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Erwachsenenfreundlich= keine Kinder?

Auf der anderen Seite verstehe ich den Wirt auch. Er ist ein Dienstleister und verdient Geld in dem er Kunden bedient. Wenn die Mehrzahl der Kunden ohne Kinder ist wird er sich sicher weniger auf Familien festgelegt haben. Auch sollten Eltern immer darauf achten wie sich Kinder in einem Restaurant benehmen. Es ist normal das Kinder, wenn sie länger sitzen und warten müssen, unruhig werden. Wenn Aber auch nichts zur Beschäftigung mitgenommen wird kann es durchaus sein, das die lieben Kleinen dann auf eigene Faust danach suchen. Ich sehe Eltern daher  in der Pflicht den Restaurantbesuch auch  mitzugestalten. Auch wenn Eltern steif und fest behaupten, das ihre Kinder sich hervorragend benehmen, jeder hat eine andere Vorstellung von benehmen. Dementsprechend sollte man sich den Gegebenheiten anpassen. Unter dem Gesichtspunkt das der Restaurantbesuch etwas besonderes ist kann man Kindern schon gut klar machen, das sie nicht wie zuhause am Küchentisch essen werden.

Meine Meinung zu Kindern im Restaurant

Ich persönlich finde es ätzend wenn ich in einem Restaurant sitze und Kinder dauernd hin und her rennen oder zu laut sind. Ja, das stört mich. Aber man kann deshalb doch nicht einfach Kinder verbannen? Dann müssen die Eltern mehr herangezogen werden. Man kann als Gast auf die Eltern zugehen und freundlich mit ihnen sprechen. Auch kann man das Personal darum bitten, höflich und freundlich mit der Familie zu reden. Klar kommunizieren ist Pflicht. Ein Restaurantbesuch soll für alle Gäste angenehm sein, und vielleicht findet man eine gemeinsame Lösung um dies allen zu ermöglichen.

Wenn ich weiß, das ein Restaurantbesuch ansteht der mehr als 1 1/2 Stunden dauern wird, würde ich meine Kinder nicht mitnehmen, wenn sie sich nicht ruhig am Platz selbst beschäftigen können. Entweder eine Betreuung finden oder eben absagen.  Denn ich möchte im Restaurant mein Essen und die Atmosphäre genießen, mich unterhalten und nicht ständig schauen müssen was meine Kids machen. Auch würde ich wollen das die Kids es genießen können, und das geht nur wenn es auch zumut- und aushaltbar ist. Dazu gehört auch nicht andauernd ermahnt werden zu müssen.

Wie seht Ihr das mit dem Restaurantbesuch und die Haltung des Wirts? Lasst mir doch ein kleines Kommentar da , ich würde mich freuen.

 

Eure Tante Vanja

 

 

Manic Monday: Es weht ein rauer Ton durch die pädagogischen Hallen.

Manchmal denke ich, dass viele Menschen sich den Job als Pädagoge irgendwie mit einer rosa Brille sehen. Und ich kann es ihnen noch nicht mal verübeln. Wir sollen(müssen!!!) immer professionell auftreten und uns den Stress, Ärger, Arbeit und Co. niemals ansehen lassen. Wir sollen für jeden ein offenes Ohr haben, für jedes Problem einen Lösungsansatz oder sogar schon fertige Lösungen parat haben…und all das mit einem Lächeln im Gesicht.  Wir gehen immer verständnisvoll mit unseren Kollegen um und helfen wo wir nur können.  Als ich jünger war habe ich auch gedacht: Lehrer oder Erzieherin sind voll die netten Berufe. Sind sie auch, aber nicht immer oder eher gesagt immer weniger.

In Wirklichkeit ist der Ton in pädagogischen Einrichtungen viel rauer. Natürlich bestätigen hier Ausnahmen die Regel. Und ja, ich habe schon in einer sehr harmonischen Krabbelstube gearbeitet. Das war wirklich traumhaft.

Heute schaut es ganz anders aus. Heute befinde ich mich in einer Umgebung zu der ich eine sehr ambivalente Beziehung führe. Ich liebe meine jetzige Arbeit. Ich arbeite gerne mit Erwachsenen zusammen, das hätte ich nie gedacht( Ich bevorzuge meine Menschen entweder sehr jung oder sehr alt…alles zwischen 14 und 40 ist eigentlich nicht meins). Ich genieße vor allem die große Entscheidungsfreiheit welche ich in den KiTas einfach nicht hatte. Meine Kreativität wird definitiv gefordert und es ist sehr spannend mit meinen Kollegen zusammen Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden.  Aber es gibt etwas, dass hat sehr viel mehr Gewicht als all die schönen Dinge: der Umgangston.

Ich bin der Meinung man kann alles sachlich klären. Und wenn man einmal im Unrecht ist muss man eben dazu stehen. Es gibt immer Hoch´s und Tief´s  und man kann von keinem Verlangen jeden Tag die beste Laune zu haben. Aber ich erwarte, dass Probleme angesprochen werden und das in einem angemessenen Ton.

Manchmal gibt es Tage, da möchte ich mich einfach nur in meinem Büro einschließen. Dann wird geschrien, geschimpft, gezetert. Das sind sehr impulsive und intensiver Momente die ich schlecht aushalten kann.

Müde

Noch schlimmer ist es wenn man das Gefühl hat zwischen den Stühlen zu stehen. Oder immer wie ,, auf rohen Eiern geht“ weil man nicht weiß was im nächsten Moment passiert. An einem Tag ist alles okay, am nächsten ist nichts recht. Egal wie sehr man sich dann auch bemüht. Dann möchte ich auch nicht sagen wenn ich Probleme habe. Möchte nicht auffallen, möchte nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.  Ich schiebe schon seit Wochen ein wichtiges Thema vor mich her, traue mich aber nicht es anzusprechen. Aus Angst vor der Reaktion. Ich kann es einfach nicht einschätzen. Wird mein Zustand abgetan? Wird Hektik entstehen? Oder läuft doch alles gut? Ich weiß es nicht.

Stress

In meinem ganzen Arbeitsleben habe ich noch nie so eine Achterbahn der Gefühle durchlebt wie jetzt. Was wiegt mehr? Der Spaß an der Arbeit oder die emotionale Erschöpfung nach Arbeitstagen welche nicht nur akkustich sehr laut waren. Die geniale Arbeit mit den Kollegen oder der Balanceakt zwischen Wertschätzung und gleichzeitiger Denunzierung der Arbeit eines Pädagogen.

Solche Tage nagen oft an mir. Und es fühlt sich oft an als ob bald nichts mehr von mir übrig wäre. Und trotzdem hoffe ich doch immer wieder das es besser wird. Bin ich naiv? Vielleicht. Habe ich immer noch genug Vertrauen darin das Menschen sich doch noch ändern können? Jein. Bin ich bereit dafür weitere Teile von mir herzugeben um? Nein! Aber Versuche mich zurück zu ziehen werden missinterpretiert. Doch wieder zwischen den Stühlen sitzen.

An all meine Kollegen und Kolleginnen da draußen. Gebt… Gebt so viel Ihr entbehren könnt, aber gebt niemals 100 % von Euch her. Bitte bleibt Euch treu und setzt Grenzen. Seid stärker als ich. Habt keine Angst, rechtfertigt Euch niemals für jeden kleinen Handgriff. Spielt nach den Regeln, testet sie aber bis an ihre Grenzen aus. Vielleicht bin ich irgendwann auch stark genug um den Ton in meinen pädagogischen Hallen zu ändern.

 

Eure Tante Vanja

 

 

Ich könnt dich grad sowas von………..knuddeln……Negative Gefühle gegenüber Schutzbefohlener und Kunden.

Heute möchte ich über ein Thema schreiben das jeder pädagogischen Fachkraft täglich begegnen kann. Oder sogar jeden Tag begegnet. Wut. Ohh ja, Wut. Dieses Gefühl, wenn sich ein glühender Feuerball in deinen Eingeweiden breit macht und von Sekunde zu Sekunde wächst. Er wartet nur darauf loszubrechen. Aber halt. STOPP! Das ist sowas von gar nicht pädagogisch!!!

Solche und ähnliche Szenarien kommen den meisten ( auch Eltern) bestimmt sehr bekannt vor. Kind(er) flippen aus, drei Stück müssen gewickelt werden und der Kleine Tom tritt einem kräftig gegen das Schienbein weil er nicht die Knete essen darf. Oder 10 Migranten  rushen auf einen zu und wollen Fahrgeld, obwohl sie keine Berechtigung dafür haben.  Sie wollen aber nicht einsehen das es zumutbar ist bis zu 3 Km zur Schule zu laufen.

Und unsereiner muss immer ruhig und cool bleiben. Tief durchatmen und dann mit Engelssttimme erklären was geht und was nicht. FALSCH. Nein, nein und nochmals nein. Auf gut Deutsch: einen Scheiß müssen wir tun. Und jeder der was anderes Behauptet ist entweder einer dieser Wesen die wirklich dauergechillt sind oder schon so abgebrüht das es ihn/sie eh nicht mehr juckt.

Negative Gefühle, gerade Wut, müssen raus. Wenn man Wut immer wieder unterdrückt kann  man nicht nur irgendwann krank werden sondern wird auch zur tickenden Zeitbombe. Stellt Euch vor Eure Wut ist ein Schnellkochtopf. Total unter Druck. Wenn man den Topf nicht Dampf ablässt fliegt er Euch um die Ohren.  Äußert sich dann in Dingen wie fahriges Verhalten, Herzrasen, lautes reden(aka schreien) und grobes Handling von Mensch und Material.

Jetzt höre ich viele sagen: aber mit Menschen  muss man ruhig umgehen. Die soll man doch nicht belasten mit den eigenen Gefühlen. Der Meinung bin ich absolut nicht. Es ist wichtig Kindern und auch Erwachsenen mitzuteilen das man wütend ist. Und warum. Denn sonst verstehen sie einfach nicht was los ist.  Es ist absolut in Ordnung wenn man sagt:

,, Tom, ich bin jetzt wütend auf dich, weil Du mich getreten hast. Deshalb werde ich jetzt weg von Dir gehen damit ich mich beruhigen kann.“

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Das funktioniert natürlich nicht bei Einjährigen. Aber klare  Kommunikation und Abgrenzung sind gute Mittel um sich aus dem Gefahrenbereich zu holen. Lieber kurz mal 5 Minuten Auszeit nehmen.

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Auch kann man Erwachsenen mal nicht durch die Rose sagen: ,, Ich finde es absolut scheiße das Sie sich nicht an die Regeln halten. Und wenn Sie so weiter machen werde ich Sie eben rausschmeißen.“

Zack! BOUM! Fertig. Absolut notwendig bei absolut resistenten Menschen.

Schluckt Eure Wut nicht herunter. Man kann lernen mit Wut umzugehen , ja, es gibt viele Methoden.  Aber verstellt Euch nicht. Wenn Ihr gerade wütend auf etwas seit, oder vielleicht auf Euch selbst, dann kommuniziert es Eurer Umwelt. Das wirkt nicht nur authentisch sondern ist gut für Eure Seele. Sobald die Wut raus ist habt Ihr wieder genug Platz um alles zu  reflektieren.

 

Warum habe ich diesen kleinen Text jetzt geschrieben? Nun ganz einfach: Selbstreflektion. In der letzten Zeit machen mich schreiende und quengelnde Kinder extrem wütend. So wütend das ich am liebsten mal ausholen möchte… und das ist nicht gut. Das ist auch nicht fair gegenüber meinen Mitmenschen. Ich muss mich jedes Mal wieder an der eigenen Nase packen. Bin ich jetzt wütend weil ich es nicht ertrage, oder bin ich wütend weil z.B das Kind sich einfach wie ein A-Loch benimmt? Oder weil die Eltern sich wie A-Löcher benehmen? Hätte ein solches Verhalten nicht auch verhindert werden können? Wenn es wirklich zu viel für mich ist, und der Meinung bin den Grund für meine Wut zu kennen, dann äußere ich sie. So kann es auch mal vorkommen das ich mich zu Eltern oder deren Anhang stelle und sage: ,, Wissen Sie das mich das Verhalten von Ihnen oder Ihrem Kind wütend macht?“ Wenn diese dann verwirrt oder böse zurückschauen nicke ich nur, erkläre mich, und gehe wieder.

Auch auf Arbeit geht es jetzt viel besser seitdem ich meine Damen nicht mehr mit Samthandschuhen anfasse. Der Frustlevel ist deutlich gesunken.

Klar macht einen das nicht beliebt, und man muss sich viel anhören. Aber seitdem ich es so praktiziere schrumpft meine Wutskala. Ich kann wieder gelassener mit meinen Mitmenschen umgehen. Und ich möchte allen Kollegen/innen und Eltern sagen: bevor Ihr platzt lasst Eure Wut raus.

 

 

GUK , Big Talk und Talker : Kommunikation muss nicht immer per Wort passieren

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Ob mit oder ohne Behinderung: Kinder möchten kommunizieren und dabei auch verstanden werden. Das dies nicht so einfach ist wissen wir Erwachsenen. Wie oft standen wir schon ratlos vor den Kids und starrten in diese riesigen , fragenden Augen. Aber was soll dieses wedeln mit der Hand bedeuten? Warum schreit das Kind immer ,, Am Am“ und reibt sich den Mund? Gerne hätten wir einen Universalübersetzer. Der Frust auf beiden Seiten ist sehr hoch , was sich bei Kindern von Wut bis Resignation äußern kann. Erwachsene hingegen fühlen sich eher hilflos oder sind verwirrt. Ich zeige Euch nun ein paar kleine Gerätschaften und Techniken um die Kommunikation zwischen Kleinkindern und Kindern mit Behinderungen einfacher zu gestalten.

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GUK – GebärdenUnterstützdene Kommunikation

Wer glaubt das Gebärdensprache nur etwas für Gehörlose oder Stumme ist täuscht. Schon die kleinsten Kinder verstehen schnell den Zusammenhang zwischen einem Wort ( z.B Apfel) und der Gebärde dazu ( abbeißen , dem abbeißen von einem Apfel nachempfunden). Integriert man Kindergebärden in den Alltag der Kinder werden diese von alleine beginnen ebenfalls zu gebärden. Sinn und Zweck der GUK ist es das Kinder ihre Bedürfnisse äußern können , und zwar so , das sie auch verstanden werden. Erfolgt eine positive Reaktion auf die Gebärde erlebt das Kind nicht nur einen Glücksmoment, es wird auch ermutigt weiter zu kommunizieren. Der Furstlevel sinkt erheblich , die Kinder sind oft ausgeglichener als Nicht-gebährdene Kinder. Eine Technik die für Babys , Kleinkinder und generell Kindern mit Behinderungen sehr gut geeignet ist.

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Big Talk/ Big Button

Für Kinder die nicht sprechen können ,egal aus welchen Gründen , gibt es den Big Talk.  Eltern , Erzieherinnen oder Lehrer können dieses Gerät  besprechen. Es funktioniert also wie ein Diktiergerät. Je nach Situation kann z.B ,, Ja“ und ,, Nein“ , ,, Guten Morgen“ aufgesprochen werden. Richtet man das Wort an ein Kind mit Big Talk muss es auf diesen drücken/hauen und die Antwort ertönt. Dieses Gerät wird oft bei Schwerstbehinderten verwendet da diese oftmals nicht in der Lage sind via GUK oder Talker zu kommunizieren.  Der Big Talk motiviert durch seine Mechanik zusätzlich das Kind diesen zu benutzt. Mit dem Big Talk soll nicht nur die Kommunikation gefördert werden , auch die Aufmerksamkeit wird geschult. Denn das Kind muss darauf achten wann es drücken muss.

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Der Talker

Der Talker ist ein Gerät das für Kinder geeignet ist die entweder nur schwer sprechen lernen oder an einer Kommunikationsbarriere leiden ( wie zum Beispiel beim Autismus oder Mutismus). In verschiedenen Kategorien können Sätze und Wörte ausgewählt werden. Der Talker spricht diese dann aus. In der Regel sollen die Kinder während des Bedienens versuchen in Lautsprache mitzusprechen. So erhält das Kind die Chance die korrekte Aussprache eines Wortes / Satzes zu hören und seine Umwelt versteht es , auch wenn die Sprache verwaschen oder stockend ist. Die Gesprächskategorien sind mit einfachen Symbolen gekennzeichnet , dementsprechend ist die Handhabung des Talkers sehr einfach und fast schon intuitiv. Vorraussetzung um mit dem Talker arbeiten zu können ist  lesen zu können . Kinder die nicht fähig sind lesen zu lernen können einen Talker mit einfachen Symbolen verwenden oder gegebenenfalls auf GUK zurückgreifen.

Kindern eine Sprache geben

Ich selbst bin ein sehr großer Fan von der GUK Methode , die ich auch selbst praktiziere. Besonders schön ist diese für Kleinkinder , da man alle Gebärden in Lieder oder Fingerspiele einbauen kann. Auch im Alltag kann man GUK wunderbar integrieren. Vom Talker bin ich auch sehr überzeugt. Als ich in der Schule für praktisch Bildbare gearbeitet habe konnte ich viele Autisten beobachten die sehr flink mit diesem kommunizieren konnten. Die Lautsprache entwickelte sich ebenfalls sehr schnell. Zum Big Talk habe ich gemischte Gefühle. Das Kind/Der Erwachsene ist darauf angewiesen das eine andere Person etwas auf den Big Talk spricht. Er/Sie ist also nicht Herr/Herrin über seine Kommunikation. Zwar kann ein Big Talk unterstützend wirken , ist in meinen Augen aber nur ein kleines Hilfsmittel.

Tante Vanja sagt: Kindheit für die Kinder