,, Sie ist böse!” Ein Kind hat Angst vor mir.

Es ist passiert. Das erste Mal in meinem Leben habe ich erfahren: Ein Kind hat Angst vor mir. Es hält mich für böse. Es schläft schlecht. Die Eltern sind fertig mit den Nerven. Wem kann man es verdenken?

Der Satz einer Mutter traf mich wie ein Schlag ins Gesicht: ,, Mit Dir verbindet er das Wort böse.” Weil ich schimpfe. Weil ich nicht nur positives Feedback über den Tag gebe. So so.

Okay, das geht gar nicht. Ich will nicht das es einem Kind wegen mir so geht. Da heißt es jetzt herausfinden wo es genau hackt. Das ich einen anderen Erziehungststil wie meine Kolleginnen habe ist mir klar. Das jeder von uns eine andere Ansicht von Benehmen hat auch. Aber ich muss auch sagen: kein Kind bekommt bei mir eine Sonderbehandlung. Ich schimpfe nicht wenn es nicht sein muss. Und wenn mir ein Kind auffällt, gerade weil es sonst nicht auffällt, ist das für mich ein Zeichen den Eltern Feedback darüber zu geben.

Kinder testen uns Erwachsene ständig aus. Es obliegt uns diese Grenze zu sicher bzw. Kindersicher zu machen. dabei sollte die Individualität des Kindes gewahrt werden ohne das diese jedoch die Harmonie der Gruppe aus dem Gleichgewicht bringt. Schuldig: ich habe es anscheinend nicht geschafft. Und es tut mir furchtbar Leid. Aber wie soll man das nun den Eltern erklären? Garnicht. Ist der erste Satz erst einmal heraus sprudeln alle Gedanken. Hochachtung vor Eltern die den Mut haben uns Pädagogen anzusprechen und zu sagen: Hey, hier läuft was falsch und es liegt an dir!

Auch ich bin auf Feedback angewiesen. Sonst kann ich mich nicht weiter entwickeln. Fehler können nicht ausgebessert werden. Nun muss ich schauen was ich tue. Ich habe also aus einigen Aussagen folgenden Schluss gezogen:

Ich als Stadtkind habe extreme Anpassungsprobleme an die Landmenschen. Hier wird es gerne gesehen wenn man herzlich miteinander umgeht. Was natürlich wunderbar ist und ein ,, Wir-Gefühl” hervorruft. Aber ich bin nicht der Typ dafür. Ich arbeite gerne mit Familien auf einer professionellen Ebene welche ich nur gegen eine etwas persönlichere eintausche wenn ich diese besser kenne. Von jetzt auf Gleich geht das einfach nicht.

Ebenfalls kann ich schon sehr freuen wenn morgens die Tür aufgeht und ein Kind strahlend hereintritt. Aber ich kann nicht jeden morgen überschwenglich: ,, Guten Morgen XY, schön das du da bist!” trällern. Ein ,, Hallo X!” , oder ,, Guten Morgen X!” ist meiner Meinung nach genau so Wertschätzend. Das man sich , wenn beschäftigt, nicht sofort umdreht und das Kind ansieht passiert. Sollte es nicht, ist aber so. I´m no superhuman! Ebenfalls ist selbstverständlich die Eltern zu begrüßen. Das kann mir auch mal durch die Lappen gehen, ist aber kein böser Wille.

Zum Thema Kollegen muss ich sage: Ich mag meine Kolleginnen! Ich bin nur nicht der Typ welche sich z.B. nach der Arbeit privat mit dem Kollegium trifft. Ebenfalls ist es für mich ein No-Go sich einfach so zu zwei bis drei Menschen zu setzen welche sich gerade unterhalten und dann munter mitzureden. Das ist nicht meine Art. Ich finde es auch unangenehm um ehrlich zu sein. Deshalb passiert es oft das ich eben alleine bin, was mich aber nicht arg stört.

Vom Typ her bin ich wohl eher der: ,, Ich mag Euch, und ich genieße die Zeit auf Arbeit mit Euch. Aber nach 16:30 bin ich eine Privatperson und brauche meine Ruhe.” Ebenfalls muss ich nicht alles aus meinem Privatleben preisgeben. Ich hab auch weniger Interesse an Austausch untereinander. Wenn jemand Probleme hat helfe ich gerne. Ich räume auch die Spülmaschine aus wenn meine Kolleginnen grad mitten in der Arbeit stecken oder einfach mal verschnaufen müssen. Unser Alltag ist anstrengend.Aber es ist für mich psychisch ebenfalls anstrengend die Balance zwischen Profi und Privatmensch auf Arbeit zu halten.

Lange Rede kurzer Sinn: ich muss wohl weiter ziehen. Eine Arbeit suchen mit wenig Menschen um mich herum. Und erst mal kein Kindergarten mehr. Am Liebsten FED oder Einzelbetreuung. Sobald wieder ein Auto vorhanden ist in Richtung Stadt schauen. Es stimmt, Stadtmenschen sind etwas distanzierter als Landmenschen. Aber das ist mir ganz Recht.

 

Tante Vanja sagt: Reflektion tut weh aber bringt auch neue Erkentnisse!

 

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