Autoritär, Laissez-faire oder demokartische Erziehung: Vor und Nachteile von Erziehungsstilen

Wer kennt den berühmten Satz von der Oma hinter einem an der Kasse nicht. Ein Kinder jammert,weint,meckert oder diskutiert mit einem Elternteil weil es etwas nicht bekommt. ,, Früher hätte es das nicht gegeben!” oder ,, Der/Die hätte eine hinter die Ohren bekommen, dann würde er/sie sofort wieder spuren!”. Das gleiche Szenario: wir ersetzen die Oma aber durch einen Mann/eine Frau welche in den 1970er erzogen worden sind. Diese würden vermutlich eher so reagieren: ,, Das Kind muss lernen sich gegenüber der elterlichen Unterdrückung zu wehren. Der Wunsch nach ( bitte hier den Supermarktartikel Ihrer Wahl einfügen) ist doch wohl gerechtfertigt. Der Papa/die Mama kann dem/der Kleinen doch seinen freien Willen nicht unterdrücken.” Jaaa…..das gibt es wirklich. Am Schluss des Beitrages werde ich natürlich noch ein Szenario abliefern. Dieses hat mit dem demokratischen Erziehungsstil zu tun. Wer sich in jetzt in den oben genannten Szenen wiedererkannt hat wird schmunzeln. Für alle anderen hier noch einmal die Erklärungen zu den autoritären,laissez-fairen und demokratischen Erziehungsstilen. Viel Spaß!

Autoritärer Lebensstil

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Haben Euch Eure Großeltern schon einmal erzählt wie die Schulzeit zu ihrer Kindheit war? Wenn ja, dann sind bestimmt Sätze gefallen wie: ,, Da hat man nicht widersprochen!”  oder ,, Wenn man frech war hat der Lehrer einen mit dem Stock auf die Finger/Hände/ Po gehauen.”. Absolute Gehorsam und körperliche Züchtigung gehörten ( und gehören oftmals noch!) zu dem autoritären Erziehungsstil jener Zeit. Schon seit Menschengedenken mussten Kinder früh lernen Ihren Eltern etc. schnell folgen zu können. Sie durften nicht aus der Reihe tanzen, denn dies konnte das Aus für die Existenz der gesamten Familie bedeuten. Über die Jahrhunderte hinweg gehörte es irgendwann zum guten Ton folgsame Kinder heranzuziehen. Widerspruch und eigener Wille wurden gnadenlos bestraft. Hier galt: der Erwachsene hat das sagen.

Mit Hilfe von Beschimpfung, Strafarbeiten, in der Ecke stehen oder körperlicher Züchtigung hat man sich die Kinder bis ca. den 1960er Jahren erzogen. Man(n,Frau) war stolz ein gefolgsames Kind zu haben. Aber zu welchen Preis? Es interessierte niemanden dass dies vermeintlich wohlerzogene Kind einfach nur noch panische Angst hatte. Angst davor zu versagen, einen Fehler zu machen, aus der Reihe zu tanzen. Wer hätte da keine Angst wenn sofort der Rohrstock droht? Schon früh mussten diese Kinder lernen ihre Gefühle zurückzustellen. Dies bedeutete für ihre Zeit als Erwachsene sehr viel. Natürlich können trotz dieses Erziehungsstils ausgeglichene Erwachsene aus ihnen werden. Auf der anderen Seite kann es passieren das sie den Erziehungsstil ihrer Eltern übernehmen. Was Mama und Papa gemacht haben muss einfach richtig sein. Was andere sagen kann nicht stimmen. Und die nächste Generation wird mit strenger Hand aufgezogen.

Zusammengefasst kann man sagen: der Schwerpunkt dieses Erziehungsstils beruht auf der absoluten Gehorsam des Kindes gegenüber Erwachsenen. Diese nutzen vor allem ihre körperliche Kraft und Dominanz gegenüber dem Kind aus um dessen freien Willen zu unterdrücken… im schlimmsten Fall zu brechen.

Laissez-fairer Erziehungsstil

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Laissez-faire bedeutet grob übersetzt ,, machen lassen”. Ende der 1960er Jahre ( genau genommen 1968) bekam dieser Begriff eine zunehmend größere Bedeutung für die Kindererziehung. Der revolutionäre Gedanke: Kinder können sich nur gut entwickeln wenn sie alle Freiheiten besitzen. Nur ein freier Mensch entwickelt/besitzt einen freien Geist. Ein krasser Gegensatz zur autoritären Erziehung. Von den alten Hasen als ,, Hippiegewäsch” beschimpft zog dieser Erziehungsstil trotzdem in die meisten Kindergärten und Haushalte ein. Die Bedürfnisse des Kindes wurden nun über alles andere gestellt. Wollte klein Jan die Tapete von den Wänden reissen dann wurde dies gewährt. Klar, sollte er machen! Es wird einen triftigen Grund geben warum er das machen will. Freiheit alles zu tun, mit voller (Lebens)Lust die Welt entdecken und umarmen. Nur so kann ein Mensch sich komplett entwickeln.

Das man damit die für Kinder wichtigen Grenzen einfach überging nahm man damals gerne in kauf. Welche Folgen dies aber für die Kinder hatte wollte keiner sehen. Überangebote, absolute Autonomie und Zugriff auf alle Ressourcen sind für kleine Kinder überfordernd. Aggressionen und Überforderung sind die ersten Anzeichen dafür das ein Kind der Führung einer konsequenten Person bedarf. Stattdessen wurde dann versucht ,, darüber zu reden”. Es kann definitiv nicht daran liegen dass das Kind nicht weiß was es denn überhaupt tun soll. Es darf ja alles. Es hat alle Freiheiten der Welt.

Ihr merkt schon, das kann ganz schön in die Hose gehen. Wo es keine Grenzen zum austesten gibt werden sich eben weitere Grenzen gesucht. Was extreme Ausmaße annehmen kann. Ich will hier gar nicht davon Anfangen über Drogen etc. zu reden. Davon wissen die meisten Erwachsenen Bescheid. Ich will damit nur sagen dass Kinder des Laissez-fairen Erziehungsstils gerne in zwei verschiedene Richtungen gehen. Die eine Seite , welche sich gerne Grenzen gewünscht hätte, wird sich im Erwachsenenalter disziplinieren und zum autoritären Erziehungsstils neigen. Die andere Richtung geht wahrscheinlich ins Zügellose. Der absolute Genuss und Freiheit wird im Vordergrund stehen. Dies kann sich auf das soziale Leben in der (sich weiterentwickelnden) Gesellschaft negativ auswirken. Dass diese Menschen anecken werden wird sie nicht verwundern. Sie werden vermutlich sogar mit Unverständnis reagieren wenn man ihnen erzählt das Grenzen aus gutem Grund im sozialen Miteinander verwoben sind

Demokratischer Erziehungsstil

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Das es so nicht weitergehen konnte war schnell klar. Eine Gesellschaft aus grenzüberschreitenden/grenzenlosen Kindern und Erwachsenen kann nicht lange überleben. Es würde in totaler Anarchie ausarten. So dachten jedenfalls einige Menschen , welche sich dieses Erziehungskonzept von aussen betrachteten. Die essentielle Frage: Was brauchen Kinder? stand wieder einmal im Raum. Absolute Freiheit war es nicht. Absolute Strenge? ebenfalls nicht. Es musste also einen Mittelweg gefunden werden. Warum also nicht Kindern ein Mitspracherecht einräumen? Freiheiten lassen, aber durch Regeln eingrenzen.

Jetzt wehte wieder ein neuer Wind in der Pädagogik. Anfang der 80er war klar: Kinder brauchen Grenzen, aber sie sollen ihre eigene Welt trotz dieser gestalten können. Man merkte schnell dass, obwohl es Regeln gab, die Kinder positiv auf diesen Stil reagierten. Durch intensiveres Beobachten und Zuhören konnten die wahren Bedürfnisse der Kinder besser und schneller herausgefunden werden. Ebenfalls wurde jetzt der Fokus auf die emotionale/soziale Entwicklung des Kindes gelegt. Ein gleichberechtigtes Miteinander unter den Kinder und ein demokratische Beziehung zu Bezugs/Lehrpersonen wurde und wird angestrebt.

Bis heute wird der demokratische Erziehungsstil in sozialen Einrichtungen gepflegt. natürlich gibt es überall Mischformen. Jede Einrichtung, jede/r Pädagoge/in, jedes Elternteil muss für sich entscheiden wie Er/Sie ihre Version davon leben möchte.

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Nun, das klingt doch erfreulich, oder? Na ja, kommt drauf an. ich als Pädagogin muss feststellen dass es langsam wieder zu einer ,, Zügel locker lassen” Erziehung im kommen ist. Sie ist nicht so krass wie die Laissez-faire, trotzdem merke ich das der Weg von der   Bezugsperson hin zur Freundin geht. natürlich möchte ich das meine Zöglinge mich mögen und gerne zu mir kommen. Aber ich bin ganz klar 1) eine erwachsene Person 2) immernoch ihre Erzieherin und nicht eine Verwandte und 3) schon gar nicht eine Freundin. Meine Ausbildung dient dazu Kindern zu helfen ihren eigenen Weg in ihre Welt zu entdecken und ein Stück weit zu meistern. Dies tue ich indem ich sie begleite aber auch durch Regeln und Grenzen einschränke.

Es mag krass klingen aber der Auftrag ist klar: Wir Pädagogen haben dafür sorge zu tragen dass das Kind ein gesellschaftsfähiger Mensch wird. Entgegen der Erwartung von außerhalb würde (und tut es auch nicht!) es mich z.B. nicht stören wenn ein 3 jähriges Kind mir einmal kurz an den Busen fasst und dabei ,, wie bei Mama!” sagt. Ich würde ihm/ihr erklären das ich ebenfalls einen Busen besitze , ich aber nicht möchte das es diesen anfasst weil es eben MEIN Busen ist. Das klingt recht einleuchtend. Aber das bedeutet für das Kind: Nun, ich darf Tante Vanja´s Busen nicht anfassen. Aber sie hat mir nicht gesagt das ich nicht gesagt dass ich den Busen von anderen ebenfalls nicht anfassen darf! Jaaaaa…..ich höre schon viele Stimmen die jetzt aufschreien. Aber das ist ein natürliches Verhalten. Ja! Ist es auch. Aber die heutige Gesellschaft verlangt ein einheitliches Verhalten. Obwohl immer groß betont wird das die Einzigartigkeit jedes Kindes wertvoll ist muss man dafür sorgen das es sich schnell einer großen Gemeinschaft anpassen kann. Wir müssen sie sozusagen gesellschaftsfähig machen. Und dabei oftmals gegen die Erziehungsvorstellungen der Eltern und auch der Eigenen handeln.

Tante Vanja sagt: egal wie man´s macht, jemand anderes weiß es immer besser!

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