Viel haben aber nichts geben wollen: Wie die Sparpolitik Eltern und Pädagogen in Bedrängnis bringt

Heute habe ich wieder einen wunderbaren Artikel gelsen, nämlich von der Rabenmutti

Darin beschreibt sie die wirklich katastrophalen Zustände der Kita, in welcher ihre Tochter betreut wird. Ich kann ihren Zorn und Empörung wirklich verstehen. Also Pädagogin möchte ich gerne meinen Sanf dazu geben und mal aus dem Blickwinkel des pädagogischen Personals erzählen. Denn nicht nur die Eltern leiden unter der Situation.

Wenig Geld für viele Stunden

Ja, aus jeder Ecke schallt es: Wir kriegen zu wenig Geld. Ich denke sowieso das pädagogische Arbeit mit kleinen Kindern kaum zu bezahlen ist. Mal ehrlich: Wir sind nicht nur für viele Kinder eine Art Ersatzeltern, wir erziehen sie, wir ernähren sie, wir betreuen sie und vor allem geben wir VIEL LIEBE. Wirklich sehr viel Liebe und Kraft. Wie oft gehe ich Heim und bin tieftraurig weil ich die Missstände nicht ändern kann. Wie oft bin ich sauer weil die Stadt keine Gelder freimacht um den eindeutig benachteiligten Kindern zu helfen. Und wie oft bin ich rasend weil geschrien wird: es fehlt an Fachpersonal. Tja, eigentlich ja nicht. Ich kann das nicht behaupten. Aber stellt Euch mal folgendes vor. Ihr sollt Euch bewerben und zwar zu folgenden Konditionen:

39/40 Stundenwoche oder 25/30 Stundenwoche <— wenn es gut läuft ——-> meist wird aber eher nach 450 Euro Kräften , Integrationskräften( sind billiger weil nur 15 Stundne pro Woche) oder Kinderpfleger/innen gefragt( auch günstiger als Erziehr/innen)

Befristet von 3 Monaten bis zu 1 Jahr. MIt viiiel Glück kann man dann nochmal verlängern lassen. Aber ob danach noch was geht.. kommt drauf an wie billig man ist?!

Überstunden fahren ist Pflicht. Auch wenn es viele nicht zugeben werden. Aber im Extremfall können 30-40 Überstunden im Monat anfallen. Die man schlecht abfeiern kann weil Kollegen krank sind etc. pp.

Das Geschäft mit der Betreung: Notfallplan

Egal wie krass es wird. Es muss betreut werden. Egal ob Dorfkita oder große Kita in Frankfurt City. Keiner kann es sich mehr leisten zu schließen. Egal ob ein hoher Krankenstand ist oder nicht. Damit spielt der Träger nicht nur mit der Gesundheit seines Personals sondern auch mit der Sicherheit der zu Betreuenden. Die Fachkräfte gehen buchstäblich auf den Zahnfleisch. Früher war es noch so das die Winterzeit natürlich immer etwas stressiger war. Aber heute ist jede Jahreszeit stressig. Hoher Krankenstand hat früher dazu geführt das die Kita bzw. die betroffene Gruppe geschlossen blieb. Heute wird es so gemacht. Je nach dem wie viele Pädagogen oder Hiwis fehlen werden Eltern angerufen oder an der Tür gebeten ihre Kinder früher zu holen oder zuhause zu lassen. So reduziert man mal von 100 auf 30 Kinder.Und dabei soll noch das Maximalprogramm an pädagogischer Arbeit laufen. Es geht mitlerweile soweit das man auch krank arbeiten geht. Nur wenn es um Magen-Darm geht bleibt man noch zuhause. Ansonst könnte einem der Arm abfaulen, mit dem anderen Arm kann man immernoch eine Eisenbahn abfaulen. Durch diese Arbeitsbedingungen wird der Präsentatismus extrem gefördert.

Eltern in Not

Notfallplan schön und gut. Aber nicht nur wir Pädagogen sind in Bedrängnis. Eltenr die Arbeiten müssen haben es ja noch schwerer als wir. Heute gibt es viele Alleinerziehende Eltern die mehrere Jobs bestreiten müssen um über die Runden zu kommen. Sobald das Kind zuhause bleiben muss( was passieren kann da jeder mal krank wird) fehlt es in der Haushaltskasse. Auch Schichtdienstler sind auf eine Betreung ihrer Kinder dringenst angewiesen. Aber wie soll das gehen , wenn der Notfallplan greift. Dann wird geschaut wer es am nötigsten hat. Gehört man nicht zu den auserwählten 30 hat man Pech gehabt. Familienfreundlich ist das nicht. Ebenfalls soll für nicht gebrachte Leistung trotzdem der volle Betrag gezahlt werden.

Mit dem Träger steht und fällt die Qualität

Zusammengefasst kann man sagen: unsere Arbeit ist weder wirklich Familienfreundlich noch gut bezahlt. Jeder Träger der dies behauptet lügt. Ich will nicht undanbar erscheinen, ich bin froh arbeit zu haben, aber es liegt am Träger wie gut die Arbeit an sich ist. Wie gut die Bedingungen für alle sind. Und solange wir kleinen Zahnräder funktionieren wird sich nichts ändern. Diese Streiks letztes Jahr haben nichts gebracht. Ebenfalls haben diese nur für Unruhen zwischen Eltern und Personal gesorgt. Die hohen Tiere müssten mal für 1-2 Monate unsere Arbeit machen. Dann merken sie vllt mal wie krank und unzufrieden diese machen kann wenn sich nur ums Geld gekümmert wird. Natürlich streite ich nicht ab das Verwaltungsarbeit keine Arbeit ist. Aber sie ist anders. Zwar steht auf jeder Fahnen das alles für die Kinder getan wird. Das stimmt aber nicht wirklich. Denn wenn alles für die Kinder gegeben würde, dann müssten sich die Pädagogen nicht auflehnen, krank werden ( psychisch und physisch) oder kündigen weil die Arbeit nicht mehr tragbar ist.

Liebe Rabenmutti, ich hoffe der Beitrag tröstet Dich ein kleines bisschen. Du bist nicht allein. Ich denk immer an den Satz von der Frau von Ref. Lovejoy aus den Simpsons: Denkt denn keiner an die Kinder? Solang die Kinder keine Goldtaler ausspucken: unwarscheinlich.

 

Tante Vanja sagt: Träger, Länder , Bund… Faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen führen zu guter Arbeit.

 

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3 Comments (+add yours?)

  1. diejaegerin
    Mar 30, 2016 @ 12:54:00

    Wiedermal sehr gut geschrieben. Viel mehr, als sich mit dem geschriebenen Wort Luft machen, kann man oft eh nicht tun.

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  2. Tante Vanja
    Mar 30, 2016 @ 21:03:25

    Leider ja. Aber wir sind viele. Und wenn sich viele Luft machen entsteht irgendwann mal ein Sturm!

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  3. Die Rabenmutti
    Mar 30, 2016 @ 23:07:54

    Danke für die Erwähnung 🙂

    Hab vielen Dank für deine Sicht. Fachkräftemangel hallt es auch aus allen Ecken hier. Bullshit sage ich! Die wollen einfach nur Billig-Kräfte haben (sorry, soll nicht negativ klingen, ihr wisst was ich meine..). Es gibt sicherlich genug Erzieher hier, die Arbeit suchen. Nicht zuletzt der Erzieher dessen Vertrag hat einfach nicht verlängert wurde (uns sagt man nicht wieso, ich kann es mir denken: zu oft verlängert wird der Stadt zu teuer!). Ich könnte richtig kotzen, wenn ich lese, wo das Geld überall hingepulvert wird, wo es doch so viele Misstände vor der eigenen Haustüre gibt.
    Kinder sind die Zukunft, aber kein Schwein interessiert sich in Deutschland dafür. Da lobe ich mir die skandinavischen Länder mit ihrer Vorbildlichen Liebe zu Kindern (und Reboardern^^)..

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