Ich nenne ihn Sven(Teil 1): Pädagogenseelen sind zerbrechlich

Nachdem ich auf Rabenmuttis Blog über das Thema Depressionen gelesen habe, konnte ich mich entdlich dazu aufraffen selbst einmal zu zeigen wie zerbrechlich Wir Pädagogen doch eigentlich sind. In meiner neuen Rubrik ,, Ich nenne ihn Sven” werdet Ihr mehr über das seelische Leben der Pädagogin Vanja erfahren. Schonungslos , ehrlich und vielleicht auch mal unbequem.

Ach ja, an alle Svens dieser Welt. Bitte fühlt Euch nicht angesprochen. Sven heißt die innere Stimme in meinem Kopf, mit der ich immer im Klinsch liege. Sie hätte genau so gut Waltraud oder Joachim heißen können.

Menschen in sozialen Berufen erkranken schnell

Psychische Krankheiten treten gehäuft in den Berufsgruppen der Pädagogen,Pflegern oder Lehrern auf. Warum? Ist doch eigentlich ganz einfach Kinder zu hüten, Ärsche zu wischen und das 1×1 zu lehren. Das klingt objektiv, aber so werden die Berufe von der Aussenwelt oftmals gesehen. Wir werden täglich mit Menschen konfrontiert die folgende Merkmale aufweisen: hilfsbedürftig, pflegebedürftig, brauchen Betreung, brauchen Anleitung, brauchen Liebe, brauchen Führung. Die Liste kann eigentlich endlos weitergeführt werden. Ich für meinen Teil kann sagen , dass ich Pädagogin geworden bin weil ich eben Hilfe , Anleitung und Liebe geben kann und möchte. Es ist für mich eine Berufung. Aber eine Berufung kann zur selben Zeit auch ein Fluch sein.

Hilfe,Anleitung und Liebe geben –> Ausgesaugt werden

Seit gut ca. 9 Jahre widme ich mein Leben der sozialen Arbeit und bin damit zufrieden. Aber es hat mich auch zu einem gewissen Teil zerstört. Nicht nur die äußeren Umstände ( Überstunden ohne Ende, hoher Krankenstand, nichtverhältnismäßige Bezahlung) bringen einen an die Grenzen des Möglichen sondern auch die Inneren. Stress, Elend,Unzufriedenheit,Neid,Missgunst trifft man praktisch in jeder sozialen Einrichtung an. Faktor Stress ist es oftmals der zuerst seinen Tribut fordert. Depressionen und Burn-Out gehören in der Hitparade der Krankheiten auf die ersten Plätze. Gefolgt von Zwangsstörungen als Kompensation zum Kontrollverlust. Ja, gleitet einem die Arbeit aus der Hand ( oder wächst über den Kopf) dann muss irgendwie anders reagiert werden. Panikattacken? Klar , gerne auch mal, denn es passiert ja immer so viel das man NICHT vorraussehen kann. Fortbildungen mit einer Abschlussprüfungen sind da echtgute Auslöser für.

Zwänge kompensieren Stress, Stress ruft Zwänge hervor

Jep, da habe ich ganz schön zugeschlagen. Seit etlichen Jahren begleitet mich meine Zwangsstörung. Sie manifestiert sich in einer Stimme namens Sven. Sven ist ein mieser kleiner Kerl der versucht mich klein zu machen. Nichts ist Sven gut genug. Habe ich zum Beispiel alle Türen auf Arbeit abgeschlossen kriecht Sven hervor und nervt solange bis ich mir nicht mehr sicher bin. Ich muss also nochmal alle Türen kontrollieren. Und warum? Ganz einfach:  damit alles sicher eingeschlossen is und nichts geklaut werden kann. Jetzt denken sich viele vielleicht: kann dir doch egal sein. Ja, könnte es mir auch. Aber Sven ist es nicht egal. Er liebt es mich zu zermürben. An manchen Tagen kann ich Sven zurückdrücken. Aber je größer der Stress desto Stärker der Sven.

Ich glaube ich habe täglich so zwischen 3-5 Zwänge die ich ausfrühren muss. An schlechten Tagen wird es da schon zweistellig. Beliebte Klassiker sind Tasche kontrollieren, nachschauen ob der Hausschlüssel in der Tasche ist, ist der Herd aus (auch wenn ich ihn nicht benutzt habe), habe ich den Wecker richtig gestellt…

Zwänge machen wütend und traurig

Und traurig sein ist beschissen. Besonders wenn man depressiv ist. Dann wird es noch beschissener. Denn man kann sich so schlecht aufraffen etwas dagegen zu unternehmen. Auf der einen Seite ist man traurig und will das garnicht und auf der anderen Seite hat man einfach keine Kraft sich aufzulehnen. So geht es mir auch ganz oft. Ich könnte so vielen Hobbys nachgehen: hab aber keine Kraft. Ein einziger Schritt kann sich anfühlen wie ein Marathon. Versucht einmal zu Lächeln wenn Ihr Euch 100% depressiv fühlt. Das ganze Gesicht tut weh.

Viele Menschen geht es genau so

Ich bin nicht die Einzige die in sozialen Berufen arbeitet und krank ist. Ja, wirklich krank, denn der Körper leidet mit. Und auch wenn viele es nicht zugeben wollen: ich kann es anderen Menschen ansehen wenn sie es ebenfalls sind. Unausgeglichen, Ticks, leichte Zuckungen, erhöhter Krankenstand sind nur einige der Zeichen. Viele meiner (Pädagogen oder Pfleger) Freunde gehen zu einem Therapeuten und sind sogar auf Medikamenten, denn anders geht es nicht mehr. Und ich kann das absolut verstehen. Mal sehen was die Zukunft bringt. Jetzt bin ich erst mal fertig….

 

 

 

 

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