Einmal Pädagoge immer Pädagoge, auch beim einkaufen!

Boy-crying-in-grocery-cart-

Wer kennt das eigentlich nicht? Man hat endlich Feierabend ( juhu!) , fliegt förmlich aus der KiTa und dann fällt einem ein: Verdammt , ich muss noch einkaufen! Also ab nach Hause und Einkaufszettel schreiben. In der Theorie weiß ich gaaaanz genau was ich brauche und mein Hirn arbeitet schon einen strategischen Plan aus wie ich am schnellsten  durch den Supermarkt komme.  Das dürfte alles in allem eine halbe Stunde dauern. In einer Art Trance trabe ich in Richtung Supermarkt.

Aus meiner einfachen  Theorie knalle ich in die eiskalte und grausame Praxis. Bin ich eigentlich verrückt? Es ist nach 17 Uhr! Nach 17 Uhr einkaufen zu gehen ist genau so gefährlich wie morgens um 10 Uhr! Und warum? Weil genau um diese Uhrzeiten , meist nachdem die Rentnerflut abgeebbt ist , Familien einkaufen gehen. Zu 90% Mütter mit ihren Kindern. Liebe Mütter, versteht mich nicht falsch , natürlich müssen wir alle einkaufen. Aber warum  , waaaarrruummm lasst Ihr Eure Konsequenz und Durchhaltevermögen beim betreten des Supermarktes einfach fallen?  Warum? Als ob ein Schalter im Kopf der Erwachsenen umgeschaltet wurde versperren sie die Wege mit Kinderwagen und/oder Einkaufswagen. Es ist unmöglich auch nur 1 cm zur Seite zu rücken , denn Mama ( oder Papa , aber meistens Mama) ist damit beschäftigt Kindertee einzuladen und dabei ihr Kinder zu bändigen. Da ist sie wieder , die Realität. Hatte ich nicht noch vor einer Stunde die Arbeit verlassen? Unweigerlich spüre ich wie die Pädagogin in mir erwacht.

Aber es hilft ja alles nicht. So schnell ich kann packe ich Salat , Tomaten , Gurken und Kartoffeln ein. Gerade will ich weiter in Richtung Brot da höre ich schon eine sehr helle Stimme quietschen : ,, Nein , Smarties. Mit Smarties!” Darauf hin eine ( eindeutige) weibliche Stimme : ,, Aber Moritz , ich hab doch erst beim Bäcker Muffins gekauft. Du brauchst doch keine neuen Muffins mit Smarties drauf!” Moritz , ein kleiner Junge der etwas rot anläuft , versucht vom Einkaufswagen aus nach dem Päckchen mit Muffins zu greifen. Es gelingt nicht da Mama den Einkaufswagen etwas zur Seite rückt . ,, Gib her! Gib!” quäkt Moritz. Ich schleiche mich näher an die beiden heran und beobachte. Mama will Moritz streicheln. ,, Wir haben aber doch Muffins…” ,, GIB HER!” brüllt Moritz und vergießt nun bittere Wuttränen. Mit einem leicht panischen Blick versucht die Mutter zu beschwichtigen. ,, Moritz , wenn wir im Auto sind kannst du einen Muffin vom Bäcker haben.” Aber das kommt bei ihrem Sohn schon gar nicht mehr an. Er schluchzt nur noch lauter , ja wird fast geschüttelt von seiner Wut , und drückt ab und an ein : ,, Muffin!” und ,, Smarties!” heraus. Die Pädagogin in mir schreit: Nicht nachgeben. Weiterlaufen. Moritz wird es überleben. Wenn du jetzt nachgibst hat er dich! Und gerade will meine innere Stimme anfangen zu jubeln , da greift Mama Moritz nach den Smartiesmuffins , öffnet die Packung , und drückt eine dieser Zuckerbomben dem kleinen Monster in die Hand! ,, Aber jetzt gibst du ruhe!” ,, Ja!” lacht Moritz. Hatte er nicht eben gerade noch geweint?

Verständnislos gehe ich weiter. Ist das gerade echt passiert? Hat sie ihm wirklich eine Muffin gegeben? Warum? Warum lässt sie so etwas zu? Mein Hirn findet keine Antwort , auch die kleine Pädagogin schüttelt nur den Kopf. Die ganze Situation war so unverständlich für mich das ich wie im Halbschlaf Eier , Milch und Wurst in meinen Einkaufswagen packe. Jetzt noch zum Jogurt. Verdammt! Wie haben es Moritz und seine Mama geschafft sich an mir vorbeizuschleichen? Der kleine Giftzwerg , Muffinkrümel kleben noch in seinem kompletten Gesicht , drangsaliert Mama mit Pudding. ,, Moritz , du hattest einen Muffin , da gibt es keinen Pudding mehr.” Daraufhin lässt sie den Einkaufswagen samt Kind stehen und dreht sich zu einem anderen Regal. Sohnemann sieht es aber gar nicht ein auf seine Süßspeise zu verzichten. Ich packe gerade meinen Jogurt ein , da sehe ich wie Moritz beherzt ins Regal greift und einen Schokopudding herausangelt. Geschickt macht er ein Loch in den Deckel , steckt den Finger in den Becher , holt dieser wieder heraus und leckt ihn ab. Ich : ,, Ihr Sohn hat gerade einen Pudding beschädigt!” Moritz Mama : ,, Das kann gar nicht sein. Ich hab ihm den Pudding verboten.” Worauf hin sie sich umdreht und ihren kleinen Mann munter naschen sieht. ,, MORITZ!” Moritz nascht weiter. Sie versucht ihm den Pudding wegzunehmen. Moritz fängt an zu plärren. Anstatt sich durchzusetzen lässt die Mutter los, und mit einem ,, Ist ja eh kaputt , muss ja eh bezahlen.” , zuckeln die beiden weiter.

Völlig Fassungslos führt mich mein Weg weiter zum Klopapier. Hier habe ich nun endlich einmal meine Ruhe. Pause! Um mich herum immer mehr Mütter mit Kindern. Aus allen Ecken und enden höre ich gequäcke und Mütter die versuchen sich durchzusetzen. Meine Hoffnung mit einem niedrigen Stresslevel nach Hause zu gehen schwindet. Sekündlich. Turbo reinhauen und den Rest der Einkaufsliste in Rekordzeit einsammeln. Nach gefühlten 20 Stunden sehe ich schon die Kassen . Die Laune steigt , entkomme ich doch dem Wahnsinn? Anstellen und wohlfühlen. FALSCH! Wer sitzt da hinter mir im Einkaufswagen? Genau! Moritz. Meine Finger klammern sich um den Griff des Wagens. Durchatmen. Vielleicht ist er ja jetzt endlich ruhig?

Beim bepacken des Laufbandes landet plötzlich ein Päckchen Kaugummi auf meinem Salat. ,, Nein Moritz! Lass das. Du kriegst nichts mehr.” Ich hebe das Päckchen auf und schaue hoch. Moritz hat sich zu mir umgedreht und streckt die Hand aus. Ganz pädagogisch sage ich : ,, Deine Mama hat Nein gesagt.” Moritz läuft rot an und brummt : ,, Meins!” Ich : ,, Nein , meins. Liegt auf meiner Seite des Bandes!”, und mit einem breiten Lächeln lege ich den Kaugummi zurück zu meinem Salat. Entsetzt schaut Moritz erst mich und dann seine Mama an. Er will gerade anfangen zu weinen da zische ich: ,, Deine Mama hat NEIN gesagt!” Seine Mutter schaut mich groß an und weiß nicht was sie daraufhin antworten soll. Schnell bezahlen. Ware einpacken. Dem schreienden Moritz zuschauen wie er seine Mama haut. Ganz ruhig wickel ich mir einen Kaugummi aus und stelle mich zu dem Kind. Langsam stecke ich mir den Kaugummi in den Mund. Moritz schaut groß. Ich puste eine riesige Blase. Nachdem sie geplatzt war sage ich mehr zu seiner Mutter als zu ihm : ,, Ein gut platziertes Nein wirkt wunder. Oder ein Maulkorb. Wenn das mit dem Nein nicht funktionieren sollte.” Die Pädagogin in mir tobt. Sowas von unprofessionell. Na und? Seelenruhig marschiere ich aus dem Supermarkt. Der Kaugummi schmeckt wirklich gut! Und Lust auf einen Muffin habe ich auch.

Ganz ehrlich? Ich weiß gar nicht mehr wie viele Moritze ich schon erlebt habe. Warum lasst Ihr Mama´s Euch das gefallen? Natürlich seid Ihr gestresst vom Alltag. Aber warum tut ihr Euch dann noch einkaufen mit Kind an? Viele Supermärkte haben von Früh bis Spät offen. Wenn Eure Kinder in Krabbelstuben oder KiTa´s gehen wäre das doch dann der perfekte Zeitpunkt um in semiruhe einkaufen zu gehen. Oma , Opa oder Papa können auch auf die kleinen Racker aufpassen.  Und ganz wichtig: Ein NEIN tut nur im ersten Moment weh. Garnicht lange um den heißen Brei herumreden. Nein bedeutet nein. Ja ,das Kind wird heulen und brüllen , und ja! Es wird Euch auf den Geist gehen! Aber konsequent sein ist das Beste für Euer Kind und Eure Nerven. Und meine Nerven! Ihr habt beim Bäcker schon Süßes gekauft? Dann gibt es nichts im Supermarkt. Mal ganz davon abgesehen das Kinder sowieso nicht so viel naschen sollten. Verlockungen kann man geschickt umfahren. Eignet Euch ein taubes Ohr an, das wirkt wunder. Hinhören ja , nachgeben nein. Eure Kinder werden keinen Schaden davon tragen wenn sie das Ü-Ei oder die Gummibärchen nicht bekommen werden.

Tante Vanja sagt: Kindheit für die Kinder ( und einkaufen bitte ohne , oder wenigstens morgens)

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: